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Notizen

Fernstudium — wieso, weshalb, warum? (Wer nicht fragt, bleibt..)

Wieso überhaupt ein Studium?

Mittlerweile bin ich über 30 und habe, so blöd es klingt, meine musikalischen Ziele erreicht. Natürlich gibt es noch viel zu entdecken, denn wie jede Branche entwickelt sich auch die Musikbranche weiter, bietet viele Möglichkeiten immer neue Dinge zu lernen und die Hoffnung auf den nächsten Welthit stirbt sowieso nie.

Trotzdem wusste ich immer, dass ich irgendwann in neue, gänzlich andere Themen und Gebiete eintauchen will. Ich will dieses Gefühl nochmal erleben, wie sich eine neue Welt langsam für mich öffnet und zugänglich wird. Wie ich langsam „Geheimnissen“ auf den Grund gehe und mich nachts viel zu lange mit neuen Problemen oder Ideen beschäftige und Schlaf zur Nebensache wird. Ich denke, ein guter Vergleich wäre das Erkunden einer neuen Stadt im Urlaub. Man weiß nicht genau, wohin eine Straße führt, aber man hat Zeit und Lust und geht die Straße deshalb völlig unvoreingenommen entlang. Manchmal entdeckt man tolle Plätze, Cafés oder Restaurants und manchmal will man ganz schnell wieder umkehren.

Besonders das für mich Unentdeckte ist mir dabei wichtig und ein Hauptgrund, warum ich mich jetzt mit Themen jenseits der Musik- und Medienbranche beschäftigen will.

Im ersten Text unter Recherchiertes habe ich bereits erläutert, dass Psychologie und KI die Themen meiner Wahl sind. Beide Themenwelten sind sehr divers, greifen an verschiedenen Punkten ineinander und trotzdem oder gerade deswegen kann man beide Welten völlig unterschiedlich erfahren. KI befriedigt dabei meinen Hands-On-Ansatz und lässt mich tüfteln und rumprobieren, während Psychologie viel akademischer und geregelter ist. Um mich mit Psychologie auseinanderzusetzen muss ich mehr lesen, beobachten und nachdenken. Diese Dualität möchte ich mit einem Selbstversuch, der mich schon lange reizt, verbinden:

Wie lerne ich eigentlich besser? Was liegt mir mehr? Das Chaos der Autodidaktik oder die Ordnung in einem Studium? Welche Vorteile kann ich in jedem der Ansätze finden? Kann ich die Hands-On-Mentalität auf das Psychologiestudium übertragen und umgekehrt einen strukturierten Ansatz für KI erarbeiten?

Ich bin sehr gespannt, was bei dem Versuch herauskommt und welche Erkenntnisse ich dabei über mich gewinne.

Studium: Fernstudium oder Präsenzstudium? Vor- und Nachteile?

Die Entscheidung zwischen Präsenzstudium und Fernstudium gab es für mich so nicht. Mir war klar, dass ich Psychologie als Fernstudium studieren möchte. Auch wenn ein Präsenzstudium viele Vorteile hat (neue Menschen kennenlernen, Diskussionen zu Themen in Gruppen, Vorträge erfahrener Professoren, etc.), musste ich mir relativ schnell eingestehen, dass ein Präsenzstudium gerade nicht in meine Lebensrealität passt. Ich habe ein Haus, das zum Teil mir gehört und um das ich mich kümmern muss und meinen Tennisverein, in dem ich mich engagiere. Das wollte ich nicht aufgeben. Außerdem hätte mein Abiturdurchschnitt mit 2,2 auch nicht für ein Präsenzstudium in Deutschland gereicht. Deshalb habe ich diesen Ansatz direkt verworfen.

Also, Fernstudium it is. Für mich bietet ein Fernstudium einige Vorteile: ich muss nicht in eine Universitätsstadt ziehen und mir ein komplett neues Sozialleben aufbauen, ich kann weiter in meinem Beruf in der Musikbranche arbeiten und ich muss keinen NC erfüllen.

Neben diesen eher pragmatischen Gründen habe ich festgestellt, dass ich ein Mensch bin, der gerne unterschiedliche Sachen macht. Nur studieren oder nur Musik machen oder nur KI wäre mir zu eintönig. Ich verbinde gerne Themen und brauche die Abwechslung um mental fit zu bleiben. Ein Fernstudium, vor allem das Fernstudium Psychologie an der SRH im Flex-Modell, mit frei wählbaren Prüfungsformen und freier Modulreihenfolge gibt mir genau diese Möglichkeit. Ich kann studieren und Musik machen und KI lernen und Tennis spielen und unterwegs sein. Ich kann für das Studium so lernen, dass es für mich am besten passt. Trotzdem muss ich mein Arbeitspensum nicht unbedingt einschränken, da ich mir das Studium um meine Projekte herum organisieren kann, sollte das gerade notwendig sein. Wenn gerade mehr Zeit ist fürs Studium, kann ich mehr lernen, wenn aber ein Song oder ein anderes Projekt gerade mehr Aufmerksamkeit benötigt, habe ich die Möglichkeit dem nachzugehen ohne direkt durch einen Kurs zu fallen und ein Semester wiederholen zu müssen.

Natürlich hat jede Medaille zwei Seiten und so hat ein Fernstudium neben den ganzen positiven Aspekten auch ein paar negative Aspekte. Für viele ist die selbstständige Zeiteinteilung ein Problem. Wobei das Problem weniger in der Einteilung liegt, als darin sich auch an den eigenen Plan zu halten. Sich alleine, ohne Kommilitonen und regelmäßige Vorlesungen zu motivieren erfordert ein gewisses Maß an Disziplin und Drive. Nicht jeder Tag ist gleich. An den meisten Tagen ist es kein Problem wie geplant zu lernen, aber dann gibt es die „anderen“ Tage. Tage, an denen nichts so läuft wie es sollte oder Projekte in der Arbeit deutlich mehr Zeit beanspruchen als ursprünglich geplant. Sich nach oder an diesen Tagen selbstständig zum Lernen oder Hausarbeiten schreiben zu motivieren ist eine ganz eigene Herausforderung. Einen richtigen Abgabezwang hat man schließlich nicht und die Kommilitonen motivieren einen auch nicht. Wenn man erst später abgibt passiert erstmal nichts Tragisches, das Studium dauert länger — so what? Es liegt eine gewisse Optionalität in der Luft, die man besonders an schwierigen Tagen überwinden muss, um das langfristige Ziel im Auge zu behalten.

Das bringt mich direkt zum nächsten Punkt: man ist alleine. Natürlich kann man die Dozenten kontaktieren und nach Hilfe fragen, außerdem gibt es selbstorganisierte WhatsApp-Gruppen oder Discord Channels. Das ist super, und hilft ein bisschen gegen dieses „Allein Allein“-Gefühl, aber das direkte Kennenlernen neuer Menschen wie in einer Präsenzvorlesung und im Unialltag wird dadurch nicht ersetzt.

Ein Punkt, über den ich länger nachgedacht habe, waren die Kosten. Ein Fernstudium kostet monatlich. Das ist völlig verständlich, bedenkt man die Leistungen, die man erhält (individuelle Betreuung, Feedback auf die Hausarbeiten, zeitgemäße Aufarbeitung der Studienunterlagen, etc.). Trotzdem muss ich das Geld erst verdienen. Besonders durch die aktuelle Entwicklung in der Musikbranche und dem daraus resultierenden unstetigen Geldeingang habe ich davor etwas Respekt. Schlussendlich will ich mich aber weiterentwickeln und das am liebsten auf eine Art, die in mein Leben und zu mir passt. Deshalb war mein halbwegs esoterischer Gedanke dazu:

Naja, das wird sich schon irgendwie ausgehen, irgendwo wird das Geld schon herkommen.

Fazit

Alles in allem bin ich der Meinung, dass ein Fernstudium für mich in meiner aktuellen Lebenssituation die richtige Wahl ist. Disziplin und Drive sind vorhanden und beim Finanziellen verlasse ich mich auf das Universum. Was kann da schon schief gehen? Immerhin behalte ich die Freiheit meine Zeit einzuteilen, wie es mir gefällt, kann mich weiter beim Tennis engagieren und teste mal wieder wie belastbar ich bin.